P R E S S E I N F O R M A T I O N
 


Oskar Pastior - Erich Fried Preisträger 2002

Die Internationale Erich Fried Gesellschaft für Literatur und Sprache vergibt zum 13. Mal den mit Euro 14.500,- dotierten und vom Bundeskanzleramt der Republik Österreich / Kunstsektion gestifteten Erich Fried Preis
 

Preisverleihung:
Sonntag, 24. November, 11 Uhr
Kunsthalle Karlsplatz, project space
Treitlstraße 2
1040 Wien
 

Programm:

Begrüßung durch den Präsidenten der Erich Fried
Gesellschaft Rolf Schwendter
Laudatio Christina Weiss, Staatsministerin für Kultur und Medien
Übergabe des Preises durch Franz Morak, österreichischer Staatssekretär für Kunst und Medien
Lesung Oskar Pastior
 
Christoph Hein "Erich Fried gibt eine Wahlempfehlung"
 
Website www.literaturhaus.at/autoren/F/fried

„Allein der Konjunktiv - welche Versuchsanordnung“

Anagramme, Akronyme, Palindrome, Sestinen und Sonette - Oskar Pastior, diesjähriger Erich Fried Preisträger, ist ein Meister der lyrischen „Versuchsanordnung“. Mit verspieltem Charme, Witz und Leichtigkeit folgt er den vorgegebenen oder von ihm selbst aufgestellten Regeln. Die neue deutsche Staatsministerin für Kultur und Medien Christina Weiss, von der Internationalen Erich Fried Gesellschaft für Literatur und Sprache zur alleinigen Jurorin 2002 ernannt, in ihrer Jury-Begründung:
„Oskar Pastior wird in diesem Jahr 75, aber er scheint einer der jüngsten Dichter deutscher Sprache zu sein, wenn man daran denkt, dass er quellengleich Sprache immer wieder neu erfindet. Er lockt seine Leserinnen und Leser in Sprachlandschaften, in Wortlabyrinthe, die mit zauberischen Kräften phantasievolle Welten im Kopf entstehen lassen.
Ich möchte denjenigen ehren, dessen Worte mir die deutsche Sprache neu entdeckt haben. Wörter, die nicht im Alltag vorkommen. Seine Wörter jagen denen, die an Eindeutigkeit der Kommunikation glauben, schieren Schrecken ein. Die Begegnung mit der Sprache Oskar Pastiors erzeugt lustvolles Erstaunen vor der eigenen Unkenntnis und Ungenauigkeit im Umgang mit der Sprache.
Oskar Pastior, 1927 in Hermannstadt, im siebenbürgischen Rumänien geboren, lebt seit 1969 in Berlin. Seine Texte werden, wenn er sie liest, zur Musik. Plötzlich begreift man zuhörend, was Sprache auslöst - welche Denkwelten sie eröffnen kann. ,Jeder Einfall ist mindestens ein Zweifall‘, sagte er selbst in einem Gespräch. Jedes Wort erschließt ein Vielfaches an Bedeutung. Mit naturwissenschaftlicher Präzision arbeitet Oskar Pastior sich durch die Bedeutungsmöglichkeiten der Sprache.

Er folgt gerne Systemen der Buchstabenverkehrung, um mit der Sprachphantasie zu experimentieren: Listen, Wortreihen, Anagramme, Palindrome, Villanellen oder Pantums, manchmal ist es auch ein Zahlensystem der Buchstabennummern aus dem Alphabet. Das System zu erkennen ist nur das eine, die Lust an der Sprache und ihren Spielarten ist das andere. Wenn Lyrik so viel entdecken lässt, ist sie eine zauberhafte Verführung zu dem Jonglieren mit Sprache und eine Horizonterweiterung ins Jenseits aller vorher gekannten eigenen Grenzen des Denkens.“

Oskar Pastior
Geboren 1927 in Hermannstadt (Siebenbürgen); 1945-1949 Deportation in sowjetische Arbeitslager in der Ukraine und im Donbas. Nach der Rückkehr Gelegenheitsarbeiten als Kistennagler und Bautechniker, 1955-1960 Studium der Germanistik in Bukarest, anschließend Redakteur beim Rumänischen Rundfunk, Veröffentlichung von mehr als dreißig Lyrikbänden. Lebt seit 1969 als freier Schriftsteller in Berlin.
• 1993 Ernst-Meister-Preis, 1999 Preis für Europäische Literatur (gemeinsam mit Gellu Naum), 2000 Walter-Hasenclever-Preis, 2001 Peter-Huchel-Preis.
Mitglied von „OuLiPo“ - Werkstatt für potenzielle Literatur, sowie Ehrendoktor der Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt.
• Veröffentlichungen (Auswahl): Offne Worte (1964), Der krimgotische Fächer (1978, Neuausgabe 1985), Wechselbalg. Gedichte 1977-1980 (1980), sonetburger. mit 3 x 14 zeichnungen des autors (1983), Anagrammgedichte (1985), Lesungen mit Tinnitus (1986), Jalousien aufgemacht (1987), Kopfnuß Januskopf (1990), Neununddreißig Gimpelstifte (1990) , Vokalisen & Gimpelstifte (1992), Eine kleine Kunstmaschine (1994), Das Unding an sich. Frankfurter Vorlesungen (1994), Das Hören des Genitivs (1997), Gimpelschneise in die Winterreise - Texte von Wilhelm Müller, Buch mit CD (1997), Villanella und Pantum (2000), ügel beg und ügel tal. Gedichte 1967-1997 Album, Audio-CD (2002), o du roher iasmin. Gedichte zu Charles Baudelaire, Buch mit CD (2002).
• Zum 75. Geburtstag erscheint im Hanser Verlag eine Neuauflage von „Jalousien aufgemacht“ mit einer Einführung von Klaus Ramm.

Christina Weiss
Staatsministerin für Kultur und Medien der Bundesrepublik Deutschland; geboren 1953 in St. Ingbert / Saar; Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft, Germanistik, Italienischen Philologie und Kunstgeschichte an der Universität Saarbrücken, 1977-1984 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Saarbrücken; seit 1979 regelmäßig freie Tätigkeit als Literatur- und Kunstkritikerin; 1989-1991 Programmleiterin im Hamburger Literaturhaus; 1991-2001 Kultursenatorin der Freien und Hansestadt Hamburg.

Link: http://www.literaturhaus.at/autoren/F/fried/aktuelles/

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